Vortragstermine

12.1.2017

Uni Münster

 

Einwände gegen Kapitalismus, Demokratie und Nation

 

In diesem Workshop soll es um die big points der Gesellschaftskritik gehen:

• Was zeichnet eine kapitalistische Produktionsweise aus? Und was hat es mit dem Eigentum auf sich? Ist das ein Spleen der Kommunisten – oder was ist daran so wichtig? Was meint der Vorwurf „Klassengesellschaft“? Ist der nicht viel zu undifferenziert?
• Demokratie bedeutet, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft mit bestimmen sollen. Was ist daran kritikabel?
• Nationalismus halten viele für doof und gemein. Aber was ist das eigentlich? Eine falsche Einstellung, die man/frau auch sein lassen könnte?
Ein Vortrag, der sich an alle richtet, die an dieser Gesellschaft das ein oder andere schädlich finden, und dem „System“ daran auf der Spur sind.

 

 

 

 

8.11.2016 18.15 Uhr

ErzWiss. Hörsaal Uni Hamburg (Van-Melle-Park 8)

 

Was ist Nationalismus?

 

Olympiasieger und ihre Landsleute vor den TV-Geräten sind bisweilen zu Tränen gerührt, wenn die nationale Hymne gespielt und die nationale Flagge gehisst wird. Bei einer Fußball-WM im eigenen Land ballen sich zehntausende schwarz-rot-goldene Gesichter in Innenstädten zusammen und berauschen sich kollektiv nicht nur am Alkohol, sondern auch am Erfolg der eigenen Mannschaft. Bemerkenswert: Die Presse kriegt da keine Angst, sondern sieht ein „Sommermärchen“!

 

Aber nicht nur an nationalen Feiertagen oder bei der WM – auch im ganz normalen Alltag denken, handeln und fühlen ansonsten durchaus aufgeklärte Zeitgenossen als Deutsche, als Schweizer oder Franzosen. Moderne Staatsbürger machen sich ohne weiteres die Probleme ihrer Regierung zu eigen und sorgen sich um unsere Schulden, unsere Verbündeten und unser Wachstum (auch wenn bei ihnen persönlich außer Sorgen gar nichts wächst).

 

All das gilt als menschlich und natürlich, als Ausdruck eines geradezu „gesunden Patriotismus“. Die Identifikation mit und die Zugehörigkeit zu einem staatlich regierten Kollektiv namens Nation ist für heutige, selbst bestimmte Individuen dabei so selbstverständlich, dass es anscheinend völlig überflüssig ist, danach zu fragen, was die Nation oder dieses viel beschworene „WIR“ eigentlich ausmacht.

 

Gleichzeitig wird vor einem hässlichen Nationalismus gewarnt. Den sehen Politiker, die deutsche Öffentlichkeit, aber auch linke Antifa-Leute am Werk, wenn im Namen einer angeblich gefährdeten deutschen Nation demonstriert, Ausländer schikaniert und Heime angezündet werden. Seltsam allerdings, dass kaum jemand etwas auf die Nation kommen lassen will...

 

Im Vortrag soll erklärt werden,

• was Nation (im Unterschied zum Staat) ist,

• warum moderne Bürger ihre Nation lieben, auch und gerade wenn sie ihre Regierung kritisieren,

• warum die Unterscheidung zwischen Patriotismus und Nationalismus sachlich ein   Unding ist, praktisch aber ein Dauerthema,

• wo es anzusetzen gilt, wenn man Nationalismus bekämpfen will.

 

 

 

 

7.10.2016

Freizeitwerk Welper

 

Ursachen von Massenflucht

 

Anmeldungen bitte an: Inhoff@freizeitwerk-welper.de

 

 

 

3.8.2016

Action, Mond & Sterne

 

China seit Mao

 

1949 haben die Kommunisten unter Mao den Krieg um China gewonnen und wollten in diesem extrem rückständigen Land eine sozialistische Gesellschaft aufbauen. Wie das gelaufen ist, was in dem Land passiert ist, was Maos berühmte Massenkampagnen („lasst 100 Blumen blühen“, der „Große Sprung nach vorn“, die „Kulturrevolution“) waren – darüber kam wenig in der westlichen Presse an und auch die damaligen Freunde einer maoistischen Revolution wussten auch oft nicht so wirklich, was sie da eigentlich für nachahmenswert hielten.

 

1978 haben sich dieselben Kommunisten entschlossen, ihr Land für ausländisches Kapital zu öffnen und – Schritt für Schritt – ihre Wirtschaft auf Kapitalismus umzustellen. Was daraus geworden ist, erfahren wir heute täglich aus der Presse: eine Weltwirtschaftsmacht und eine neue Großmacht, die in der Staatenkonkurrenz an vorderster Stelle mitmischt.

 

Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Was ist der „rote Faden“, der das China unter Mao und das heutige verbindet? Immerhin ist es dieselbe kommunistische Partei, die damals wie heute das Sagen in der Volksrepublik hat!

 

Im Workshop wollen wir uns diesen ziemlich einzigartigen Fall der Weltgeschichte vorknöpfen. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Es wäre aber schön, wenn Leute Fragen, die sie möglicherweise schon lange zu diesem Thema haben, vorbringen würden – dann könnten wir eventuell daran entlang denken...

 

 

 

2.8.2016

Action, Mond & Sterne

 

8 - 10 Einwände gegen Kapitalismus, Demokratie und Nation

 

In diesem Workshop soll es um die big points der Gesellschaftskritik gehen:

•Was zeichnet eine kapitalistische Produktionsweise aus? Und was hat es mit dem Eigentum auf sich? Ist das ein Spleen der Kommunisten – oder was ist daran so wichtig? Was meint der Vorwurf „Klassengesellschaft“? Ist der nicht viel zu undifferenziert?
• Demokratie bedeutet, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft mit bestimmen sollen. Was ist daran kritikabel?
• Nationalismus halten viele für doof und gemein. Aber was ist das eigentlich? Eine falsche Einstellung, die man/frau auch sein lassen könnte?
Ein Workshop, der sich an alle richtet, die an dieser Gesellschaft das ein oder andere schädlich finden, und dem „System“ daran auf der Spur sind.

 

 

 

25.6.2015 EFH Bochum, Immanuel-Kant-Str. 18 - 20

16 Uhr Raum 127

 

29.6.2015 Uni Trier, Universitätsring 15

18 Uhr Hörsaal 8

 

Warum sind die Menschen in der 3. Welt so arm?

 

Auf der Welt könnten problemlos Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen (!) produziert werden könnten (Mitteilung der Vereinten Nationen). Momentan sterben jeden Tag 25.000 Menschen an Hunger, über 8 Millionen pro Jahr.

Warum ist das so?

 

„Misereor“ und „Brot für die Welt“ behaupten, dass Bildung als Mittel gegen Armut hilft.

Stimmt das?

 

Die Bevölkerungsdichte in den afrikanischen Ländern ist wesentlich geringer als die Deutschlands. Trotzdem wird von „Überbevölkerung“ als einer Ursache für Hunger geredet. Warum?

 

Die Länder, deren Bevölkerungen hungern und unter absoluter Armut leiden, sind weitgehend identisch mit den ehemaligen Kolonien.

Ein Zufall?

 

Seit 1961 verspricht die Entwicklungshilfe (heute Entwicklungszusammenarbeit) der westlichen Länder, dass sie die Länder der 3. Welt „entwickelt“.

Eine Lüge?

 

Die Realität:

• 1,82 Milliarden Menschen hungern, jeder achte Mensch geht abends hungrig schlafen.

• 59 Millionen Menschen sind auf der Flucht – die höchste Zahl seit dem Ende des
2. Weltkriegs.

• Seit 1980 erblinden jedes Jahr 7 Millionen Menschen, meistens Kinder, infolge von Unternährung. 80% der Sehschäden wären vollkommen vermeidbar.

 

Diese Zahlen sind in den letzten Jahren nicht besser geworden, sondern schlimmer.

Die Länder der 3. Welt entwickeln sich also in der Tat – aber offensichtlich nicht so, dass das Leben für ihre Menschen besser wird.

Warum ist das so?

 

 

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9.6.2015 Universität Salzburg, Rudolfskai 42

11.15 Uhr Hörsaal 382

 

Krisenschauplatz Ostasiatisches Meer:
USA und China – Kampf um die Hegemonie in der Welt

 

Die Volksrepublik fordert die bestehende Weltordnung und deren westliche Nutznießer ausgerechnet dadurch heraus, dass sie die sozialistische Systemgegnerschaft aufgegeben und sich auf die Prinzipien ihrer Widersacher eingelassen hat – sozusagen eine Ironie der Weltgeschichte. Die Konsequenz daraus: Die etablierten Weltmächte reagieren längst praktisch auf den ungewollten Konkurrenten und sie jonglieren dabei zwischen Benutzung und Eindämmung. Das zeigt sich insbesondere am Verhältnis der USA zu China...

 

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22.5.2014 Universität Trier

18.00 Uhr Raum A 8

 

China-Bashing: Was an China alles stört

 

China ist ein schlimmer Staat. Seine Regierung lässt das Volk brutal ausbeuten, ruiniert die Umwelt, schikaniert die Presse, sperrt Oppositionelle ein und macht harmlosen Künstlern wie Ai Weiwei oder religiösen Führern wie dem Dalai Lama das Leben schwer. Freie Wahlen lässt er nicht zu. Dafür verdient er inzwischen sagenhaft viel Geld am Weltmarkt und macht sich auf unsere Kosten in Afrika breit...

Mehr braucht man anscheinend nicht zu wissen, um zu dem Urteil zu gelangen, dass die neue Großmacht nicht in Ordnung ist und unser Misstrauen verdient. Die freie deutsche Presse unterrichtet uns in diesem Sinne Tag für Tag, Woche für Woche ziemlich einförmig und braucht offensichtlich nicht zu befürchten, dass ihr Publikum von den immer gleichen Reportagen und „Specials“ angeödet ist oder gar mit Widerspruch reagiert.

 

Der Vortrag will erstens zeigen, was an diesem China-Bild falsch ist. Nicht, indem er ein hübscheres Bild des Landes und seiner Regierung zeigt, China sympathischer oder schöner darstellt. Sondern indem er die Maßstäbe der Beurteilung aufs Korn nimmt und die Parteilichkeit aufspürt, die in den Urteilen steckt.  

Zweitens soll der Grund des offenbar ziemlich beliebten China-Bashings ermittelt werden. Ein Feindbild verweist auf eine zugrunde liegende Feindschaft, ist – anders als es die Rede vom „clash of civilisations“ vorstellig macht – Ausdruck gegensätzlicher Interessen. Welche sind das?

Drittens sollen dann noch einige Erklärungen geliefert werden für das von westlichen Vorstellungen in der Tat abweichende politische System der Chinesen. Sie führen keine Wahlen im westlichen Sinne durch und lassen nicht zu, dass alternative Parteien um die Macht konkurrieren. Wie und wozu machen sie aber dann Politik?

 

 

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25.10.2013, 19.00 Uhr Vortrag und Diskussion

Bielefeld, Bürgerwache (Siegfriedplatz)

 

26.10.2013 Tagesseminar: 10.00 – 16.00 Uhr, Uni Bielefeld (Raum wird ausgeschildert)

 

 

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15.11.2013 im Rahmen der MASCH-Konferenz "Aufhebung des Kapitalismus - Ökonomie einer Übergangsgesellschaft" in Hamburg, Universität, Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal ESA M, 16 Uhr

 

Warum ist der chinesische Sozialismus gescheitert?

 

1949 haben die Kommunisten unter Mao die Macht in China übernommen. Die KP Chinas hat dann in den ersten Jahren nach ihrem Sieg viel existentielle Not beseitigt; sie hat ihr Volk von alten familiären Zwängen, religiösem Aberglauben und Unwissenheit befreit; die Fortschritte, die das große sozialistische Entwicklungsland in wenigen Jahren in der medizinischen Versorgung, der Alphabetisierung, bei der Befreiung der Frauen und der Herausbildung eines allgemein politischen Bewusstseins seines Volkes gemacht hat, sind historisch ohne Parallele.

 

Keine dreißig Jahre später hat sich das Land für westliches Kapital geöffnet und seine Planwirtschaft schrittweise in eine „sozialistische Marktwirtschaft chinesischer Prägung“ verwandelt. Warum hat das für viele Kommunisten so hoffnungsvolle und begeisternde Projekt des roten China diesen Weg genommen und warum ist es zu diesem Ende gekommen? Dazu zwei Thesen:

 

1. Die chinesischen Kommunisten haben versucht, Vorstellungen zu Zielen und Wegen eines sozialistischen Aufbauprogramms in die Tat umzusetzen, die viel Respekt vor dem verraten, was doch radikal überwunden werden sollte: Respekt vor den vermeintlich guten Seiten kapitalistischer Ökonomie und bürgerlicher Staatlichkeit. Chinas sozialistisches Experiment ist nicht an den immanenten Widersprüchen und angeblich notwendigen Verfallserscheinungen einer jeden sozialistischen Planwirtschaft gescheitert, sondern viel mehr daran, dass die chinesische Ökonomie eine Planwirtschaft nur in einer sehr halbherzigen, verballhornten Form war. Das Programm der chinesischen Kommunisten ist nicht die Beseitigung von Eigentum und Staat gewesen; statt dessen wollte die KPCh dafür sorgen, dass Eigentum und Staat »dem Volke dienen«.

 

2. Die kommunistische Bewegung Chinas ist von Anfang an untrennbar mit dem Willen zu einem nationalen Wiederaufstieg verknüpft. Was in den Zeiten des Kampfs als Antiimperialismus auftritt, weil es um die Befreiung einer nicht souveränen Nation geht, bleibt nach dem Sieg existentieller Bestandteil des sozialistischen Aufbauprogramms: die polemische wie affirmative Ausrichtung an starken Nationen im Wettbewerb um Weltgeltung. Das ist in den verschiedenen Etappen und »Sprüngen« der maoistischen Zeit innen- wie außenpolitisch sehr deutlich nachvollziehbar.

 

Der Nationalismus der chinesischen Kommunisten hat letztendlich über ihren staatsidealistischen Sozialismus gesiegt – beim Großen Vorsitzenden ebenso wie bei seinem kleinen Nachfolger Deng, der für diesen Zweck 1978 mit der Öffnung des Landes den Systemwechsel einleitet.

 

Die damit angesprochenen Fehler sind leider kein singuläres Problem einer kommunistischen Truppe im entfernten Asien – deshalb lohnt sich eine Beschäftigung mit ihnen für jede linke Bewegung. An Maos China soll das Vorhaben einer sozial gerechten Beteiligung der Arbeiter und Bauern an den Ergebnissen ihrer Produktion und die Verknüpfung von sozialer und nationaler Frage exemplarisch erklärt und kritisiert werden; dabei werden auch seine berühmten Massenkampagnen, der „Große Sprung nach vorn“ und die Kulturrevolution betrachtet.

 

Am 26.10. bietet ein Tagesseminar die Gelegenheit, die Erklärungen zu vertiefen und genauer zu diskutieren.

 

 

 

 

22. April 2013   18:00 Uhr
 

Feindbild China

 

Die deutsch-chinesische Konkurrenz im Spiegel der deutschen Öffentlichkeit

 

Vortrag im Haus der Stiftung Demokratie Saarland

 
Was kennzeichnet das deutsche Bild über China? Was erfährt das deutsche Publikum in "Weltspiegel" und "Auslandsjournal", in den Specials, die der "Spiegel" mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlich? Da ist einerseits Chinas sagenhafter ökonomischer Aufstieg, der in Zahlen und Bildern vorgeführt wird und beeindruckt. Aber worauf beruht er? Brutale Ausbeutung, ein extrem rücksichtsloser Umgang mit der Natur, Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit, keine Wahlen. Und dann natürlich noch Tibet und der Dalai Lama! Mehr braucht man anscheinend nicht zu wissen, um – in diesen Fragen ziemlich gleichförmig unterrichtet durch die freie deutsche Presse – zu dem Urteil zu gelangen, dass die neue Großmacht nicht in Ordnung ist und unser Misstrauen verdient.
 
 
 

Sonntag, 27.1.2012, 14 Uhr

Heimat Hochfeld, Gerokstraße 1, 47053 Duisburg

 

Buchvorstellung: China - ein Lehrstück

 

60 Jahre Volksrepublik China:

Mao und seine Erben auf dem langen Marsch zur Weltmacht.

Eine marxistische Analyse

 

China ist ein bemerkenswerter Sonderfall. Ausgerechnet eine kommunistisch regierte Bauernnation des Ostens macht praktisch wahr, was der Westen seinen in die Freiheit entlassenen Kolonien als Chance einer Teilnahme an der Staatenkonkurrenz des kapitalistischen Weltmarkts verkaufen wollte: China schafft eine wahrhaft nachholende „Entwicklung", schließt zu den etablierten Nationen auf, wird kapitalistische Weltmacht. Anhänger einer früher antikapitalistisch inspirierten Drittwelt-Bewegung können sich heute fragen, ob es das war, wovon sie immer geträumt haben...

Der Vortrag geht der Frage nach, wie die 30 Jahre Aufbau des Sozialismus und die 30 Jahre Aufbau der Kapitalismus eigentlich zusammenpassen, die in China unter derselben KP-Führung auf die Tagesordnung gesetzt und durchgezogen wurden. Wo ist der rote oder weniger rote Faden?

Die zentrale These: Schon in Theorie und Praxis der KP unter Mao ist die Unterordnung aller sozialistischen Ambitionen unter das Ziel der Befreiung, Einigung und schließlich des Aufbaus einer machtvollen chinesischen Nation grundgelegt, das dann unter Deng und den Nachfolgern mit einer Neudefinition der Staatsräson weiter verfolgt, mit „kapitalistischen Methoden" vorangetrieben und zu erstaunlichen Erfolgen geführt wird.

Die 4. Generation kommunistischer Staatsführer kann mit dem Resultat ihres „kapitalistischen Experiments" zufrieden sein. Ihr Volk, das gestern wie heute die ehrgeizigen Programme der Nation ermöglicht und bezahlt, hätte allen Grund, seine Bilanz anders ausfallen zu lassen ...

 

 

 

18. April 2012, 18 Uhr

Humboldt-Universität Berlin

Unter den Linden 6

Raum 002/Institut für Sozialwissenschaften

 

China und der Weltmarkt

Ein dritter Weg zum Sozialismus?

 

 

Für die Frage, ob sich das moderne China auf so etwas wie einem dritten Weg zum Sozialismus befindet, bietet der unübersehbar kapitalistische Alltag dieser Nation eigentlich nicht den geringsten Anhaltspunkt. Dass sie trotzdem immer wieder gestellt und gerne debattiert wird, liegt insofern nicht an China, sondern an einem Bedürfnis der links-alternativen Öffentlichkeit.

Man will darüber reden, ob das große asiatische Land mit seinen vehementen Veränderungen so etwas wie ein Hoffnungsträger sein könnte – in der ein oder anderen Weise.

Das war auch in Maos Zeiten schon einmal so, als man in den Großen Vorsitzenden, die Volkskommunen und die Kulturrevolution eigene Hoffnungen und Wünsche hineinprojiziert hatte. Immerhin sollten diese Fantasien den damals durchaus existierenden linken Aufbruch beflügeln. Von „der Bewegung“ dieser Zeit ist nicht viel übrig geblieben. Aber eines scheint ziemlich zählebig zu sein: Das Bedürfnis, die guten oder schlechten Bedingungen zu reflektieren, mit denen es die „sozialistische Sache“ zu tun kriegt – obwohl diese selbst nur noch in Spurenelementen vorhanden ist. In diesem Sinne ist man „als Linker“ von China entweder bitter enttäuscht, wirft dem Land Verrat am Sozialismus vor und prangert es als Ausbund rohester kapitalistischer Verhältnisse an. Linke Reportagen und Analysen werden in vielen Fällen von Millionen hungernder Wanderarbeiter bevölkert – fast so, als wäre man in seiner Kapitalismuskritik entwaffnet, wenn es auch in China nach 30 Jahren Marktwirtschaft schon etwas gesitteter zuginge und als gäbe es an Chinas langem Marsch in den Kapitalismus nicht mehr zu erklären. Oder man bleibt einfach stur und schenkt der Kommunistischen Partei und ihren Interpretationen Glauben, denen zufolge sich das Land noch immer auf dem Weg zum Sozialismus befindet – nur dass dieser etwas länger ausfällt als angenommen und kleine kapitalistische Umwege zur Erhöhung der gesellschaftlichen Produktivkraft einschließt.

Das Interesse, das dieser Sicht auf China zugrunde liegt, wird dabei meist sehr deutlich ausgesprochen: man ist schlicht und einfach froh, dass es noch einen Staat gibt, der sich kommunistisch nennt – da ist es fast schon egal, was das bedeutet. Und man meint zumindest außenpolitisch einen antihegemonialen Hoffnungsträger ausfindig gemacht zu haben – dafür macht man dann ohne großes Federlesen aus Chinas Konkurrenzanstrengungen auf dem Weltmarkt eine angebliche Alternative zur amerikanischen Dominanz.

Gegen diese Art von gedanklichem Umgang mit China wendet sich der Vortrag.

Nicht, was China „für uns Linke“ bedeutet bzw. bedeuten könnte, soll zum Thema werden. Sondern, was dieses Land, seine Ökonomie, sein politisches System ist.

Das beinhaltet

• einen kurzen Rückblick auf das sozialistische China und die Gründe für seinen Wechsel ins kapitalistische Lager,

• die Besonderheiten des chinesischen Kapitalismus und seines rasanten Weltmarkterfolgs,

• die Klärung der Frage, warum die ökonomische Öffnung des Landes nicht mit einer politischen Liberalisierung einhergeht und warum sich die chinesischen Führer ungerührt als „Kommunistische Partei“ bezeichnen...

 

 

 


Podiumsdiskussion zur Kritik der Nation mit Thomas Ebermann (konkret), Ilka Schröder (jungle world, konkret) und Renate Dillmann
Do, 06.10.2011 | 19:00 Uhr
VHS Bielefeld (Murnau-Saal) | Ravensberger Park 1 | 33607 Bielefeld

 

Was heißt hier eigentlich "Wir"?


Ankündigung der Veranstalter:

Deutschland ist angekommen. Nach NS-Faschismus, Krieg, und der darauf folgenden vierzigjährigen Teilung in BRD und DDR ist Deutschland nun mehr seit zwanzig Jahren nicht nur eine etablierte „souveräne“ Staatsnation unter vielen in Europa, sondern eine Weltmacht, ohne die in Europa nichts mehr läuft. Wie der für dieses nationale Projekt adäquate Nationalismus zu kritisieren sei, ist nicht nur in linksradikalen Debatten hart umstritten. Das vierte Reich, das Ende der 80er Jahre bis in die Sozialdemokratie hinein mit der „Wiedervereinigung“ erwartet wurde, blieb aus. Die Ansprüche auf die deutschen Ostgebiete wurden zurückgeschraubt und die DDR wurde mit freundlicher Unterstützung der Blockparteien an die BRD und damit an die Nato angegliedert. Damit einher gingen rassistische Pogrome, die nicht zuletzt durch verschärfte Asylgesetzgebungen in den frühen 90ern von Staatswegen geschürt wurden. Die Nazis bekamen mehr und mehr Zulauf, organisierten sich und zündeten Asylbewerberheime an. Die deutsche Bevölkerung schaute mehrheitlich zu oder bildete Menschenketten. Damals wurde dieser im Zuge der „Wiedervereinigung“ aufkommende Nationalismus und Rassismus von der antinationalen Linken als Beleg für die Kontinuität eines deutschen Vernichtungswahns gedeutet, der sich, wenn er erst die Gelegenheit dazu bekommen sollte, auch nicht halt machen würde vor Gaskammern und KZs. Gleichzeitig entwickelte sich die BRD zu einem in der NATO akzeptierten Einsatzpartner für Kriege in aller Welt. So wollte es die Ironie der Geschichte, dass gerade eine SPD-Regierung den dritten deutschen Kriegseinsatz auf serbischen Boden und den ersten Krieg mit deutscher Beteiligung seit 1945 zu verantworten hatte. Gerechtfertigt wurde er in der Öffentlichkeit durch die ‚historische Verantwortung‘, die Deutschland habe und wegen der nun in anderen Ländern Auschwitz verhindert werden müsse. Dieses positive Umdeuten des Holocaust zum ideologischen Bezugspunkt einer Rechtfertigung deutscher Interessen, bildete eine neue Basis für Diskussionen um den besonderen Charakter des deutschen Nationalismus: Da ein wesentliches Element des Nationalismus der positive Blick auf die eigene nationale Geschichte darstellt, musste in Deutschland jeder Nationalismus in eine Relativierung des Holocaust münden. Weil es in Deutschland keinen Bruch mit dem NS und dem völkischen Nationalismus gab, sondern nur einen militärischen Sieg über den Faschismus, legitimiere sich der deutsche Nationalismus nie ausschließlich über das republikanische Erbe, sondern deute jede deutsche Tat als deutsche Verantwortung. Dieses Verantwortungsbekenntnis bedeute jedoch nicht die Einsicht in die Gründe für Krieg, Rassenmord und Nationalismus, sondern gerade das reinwaschen der eigenen Geschichte.

Neben den Fragen der spezifischen Besonderheit des deutschen Nationalismus soll auf dem Podium auch über die Funktionsweisen des Nationalismus als notwendig falsches Bewusstsein diskutiert werden, als welches er in der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft zutage tritt. Nationalismus als die vom Standpunkt des Staatsbürgers aus begründete Parteilichkeit für die eigene Nation, die die Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit dem höheren Ideal des nationalen Gemeinwohls unterstellt. Aber was macht ihn dabei notwendig? Wie vermittelt sich dieses Bewusstsein? Sind die Staatsbürger*innen per se Nationalisten, weil ihr individuelles Fortkommen im Hauen und Stechen der kapitalistischen Konkurrenz vom nationalen Erfolg des Staates in der Weltmarktkonkurrenz abhängt, oder ist Nationalismus ein viel weniger auf ökonomischen Erfolg schielendes Bedürfnis nach quasi natürlichen Rechtfertigungen, weil die ökonomischen Zwänge den Individuen wie Naturgewalten entgegenstehen? Inwiefern ist mittlerweile, auch im Zusammenhang der EU, eine „gemeinsame“ europäische oder allgemein westliche „Kultur“ ein entscheidender Bezugspunkt zur Rechtfertigung nationaler Interessen und Identitäten?